Was schaust Du gerade?

Da der liebe @Lipardus das Forum so gerne hat und nun auch Mubi, möchte ich „ein paar gute“ Filme von dort empfehlen, ohne Gewähr!

Ich habe jetzt nicht quergecheckt, welche du schon gesehen hast, weil die ja auch für andere Filmnerds hier interessant sein könnten.

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Die Firma dankt und die Watchlist wird länger.

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Ich beginne mal mit „In den Wind geschrieben“

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Habe gerade „The Fall“ aus dem Jahr 2006 gesehen und bin hell auf begeistert, was eine tolle Liebeserklärung an den Film und das Geschichten erzählen. Roger Ebert hätte es nicht besser ausdrücken können:

„Tarsem’s “The Fall” is a mad folly, an extravagant visual orgy, a free-fall from reality into uncharted realms. Surely it is one of the wildest indulgences a director has ever granted himself. Tarsem, for two decades a leading director of music videos and TV commercials, spent millions of his own money to finance “The Fall,” filmed it for four years in 28 countries and has made a movie that you might want to see for no other reason than because it exists. There will never be another like it.“

https://www.rogerebert.com/reviews/the-fall-2008

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War damals direkt „verliebt“ in den Film. Beim Rewatch war das Gefühl dann verständlicherweise nicht mehr so stark, doch meine Wertung habe ich deswegen nicht angepasst. Eine klare 5 von 5 mit :heart:!

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Luca hat im Discord dieses Video bezgl. Jobrad empfohlen:

Bestimmt ganz nett (:face_with_tongue:), doch der gleiche Kanal hat ja noch was viel Interessanteres zu bieten:

Nach 2 Minuten eine geile Siebträgermaschine gesehen, nach 4 Minuten gemerkt, dass ich mich komplett falsch ernähre, stelle diese Saison also komplett auf Cornflakes um, und dann geht’s so richtig ab. :joy:

:person_biking:

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Hast du damals auch die 4k Remastered Version geschaut?

Nö, war bestimmt „nur“ die Blu-ray-Version, wenn überhaupt. Also beim ersten Mal SD und das zweite Mal HD.

Auf einem schlechten TV hatte das früher auch ausgereicht. Heute fällt schlechtes Bildmaterial natürlich viel eher auf. :grimacing:

Dann lohnt sich ja die MUBI Fassung vlt., weil da die Bilder noch mal mehr zur Geltung kommen.

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Gestern die neue Staffel Lincoln Lawyer angeschaut. Leider die schwächste Staffel bisher. Der Cliffhanger für sie nächste Season ist aber vielversprechend.

that’s what she said!

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Aus der Krautreporter-Morgenpost:


Fundstück des Tages

Wer ist Banksy? Oder: Einfach mal nicht klicken

Als jemand, die beruflich jeden Tag mit Nachrichten zu tun hat, kommt es wirklich selten vor, dass ich eine Überschrift bewusst nicht anklicke. Diesmal schon. Ich habe es (bislang) geschafft, mich der angeblichen Enttarnung des Streetart-Künstlers Banksy zu verweigern. So viel ist zu mir durchgedrungen: Die Nachrichtenagentur Reuters will den Menschen identifiziert haben, der hinter der berühmten Graffiti-Kunst steht. Ob wahr oder nicht: Vor Kurzem war ich in einer Banksy-Ausstellung und habe mir dort zwei Poster gekauft. Ich freue mich über die Erinnerung an einen schönen Tag im Museum – genauso wie über den Gedanken, manche Sachen einfach mal nicht im Detail zu wissen. Wer wie ich mit dem Klicken hadert, kann stattdessen diese englischsprachige Doku über ihn anschauen.


Unterstützt nachdrücklich Banksy-Halbwissen:
Luzia Geier
FREIE REPORTERIN

PS: Copy-and-paste-Funktion von Discourse einfach so gut. :smiling_face_with_three_hearts:

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Übermedien-Newsletter:

Über die Suche nach Banksy und Christian Ulmens Anwalt

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Liebe Übonnentin, lieber Übonnent,

vor ein paar Wochen kam mein Neunjähriger begeistert aus dem Schulunterricht zurück. Im Fach Kunst war es um Banksy gegangen, jenes weltbekannte britische Street-Art-Phantom, das mit seiner Kunst seit Jahren gekonnt zwischen politischer Subversion und Fototapeten-Mainstream balanciert. Frisch vom Banksy-Hype infiziert und mit seiner Trinkflasche als „Sprühdose“ rannte mein Sohn durch die Wohnung und rief mir atemlos zu, was sie über den Künstler gelernt hatten. Unter anderem, dass hinter dem Unbekannten entweder ein Mann namens Robin Gunningham stecke, oder der Sänger einer Band namens Monster Attack (er meinte Massive Attack).

Was Viertklässler fasziniert, finden offenbar auch Journalisten spannend. Immer wieder hat es in der Vergangenheit Versuche gegeben, die Identität Banksys zu entschlüsseln. Einige davon kamen bereits zu belastbar wirkenden Ergebnissen, etwa eine Recherche der britischen Daily Mail von 2008, die Gunningham als den Street-Art-Star identifizierte. Zu Massive-Attack-Sänger Robert Del Naja führt wiederum die Spur, dass wiederholt Banksy-Graffitis in Städten auftauchten, in denen die Band gerade ein Konzert gespielt hatte. Und sowohl Gunningham als auch Del Naja kommen wie der Künstler aus Bristol. Ein endgültiger Beweis fehlte aber bisher.

Bis jetzt. Ein dreiköpfiges Investigativ-Team der renommierten Nachrichtenagentur Reuters hat sich auf die Suche nach Banksy begeben und ist aufgrund neuer und sehr überzeugender Belege bei Robin Gunningham gelandet. Dazu flogen die Rechercheure in ukrainische Kriegsgebiete, wo Banksy 2022 Werke hinterlassen hatte. Sie fanden bisher unbekannte Polizeiakten in New York, in denen Gunninghams Name steht. Sie verglichen Fotos und sprachen mit unzähligen Wegbegleitern und Augenzeugen.

Man kann das eine beeindruckende Rechercheleistung nennen. Mir erscheint es hingegen als sinnlose journalistische Selbstdarstellung. Ein voyeuristisches Boulevardstück im Deckmantel des investigativen Journalismus.

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Drei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters haben sich auf die Suche nach der Identität des Street-Art-Künstlers Banksy gemacht. // Ausriss: Reuters

Banksy äußerte sich nicht gegenüber den Journalisten, ließ aber seinen Anwalt Stellung nehmen. Daraus lässt sich sehr deutlich entnehmen, welche Bedeutung die Anonymität für den Künstler hat. Der Anwalt habe darauf gedrängt, die Recherche nicht zu veröffentlichen, schreibt Reuters. „Dies würde die Privatsphäre des Künstlers verletzen, seine Kunst beeinträchtigen und ihn in Gefahr bringen.“ So sei Banksy – der sich in seinen Werken klar links positioniert und unter anderem ein Rettungsschiff im Mittelmeer finanziert – seit Jahren Bedrohungen ausgesetzt. Der Anwalt schreibt außerdem:

„Anonym oder unter einem Pseudonym zu arbeiten, dient wichtigen gesellschaftlichen Interessen. (…) Es schützt die Meinungsfreiheit, indem es Künstlern ermöglicht, die Wahrheit auszusprechen, ohne Vergeltungsmaßnahmen, Zensur oder Verfolgung befürchten zu müssen – insbesondere bei sensiblen Themen wie Politik, Religion oder sozialer Gerechtigkeit.“

Reuters ist seriöses Medium genug, um solche Hinweise nicht einfach unkommentiert zu übergehen. Die Autoren rechtfertigen ihre Berichterstattung so:

„Die Öffentlichkeit hat ein großes Interesse daran, die Identität und Karriere einer Persönlichkeit zu kennen, die einen so tiefgreifenden und nachhaltigen Einfluss auf Kultur, Kunst und den internationalen politischen Diskurs hat. Dabei haben wir dasselbe Prinzip angewendet, das Reuters überall anwendet: Personen und Institutionen, die den gesellschaftlichen und politischen Diskurs prägen wollen, unterliegen kritischer Prüfung, Rechenschaftspflicht und werden mitunter auch entlarvt.“

Das klingt wohlüberlegt, nach kritischem Journalismus und gleichem Recht für alle. Überzeugend ist es trotzdem nicht. Denn zum einen ist das öffentliche Interesse im (deutschen) Presserecht nicht umsonst ein ziemlich dehnbarer und interpretationsbedürftiger Begriff. Schließlich gibt es auch ein großes „öffentliches Interesse“ an Fotos von Helene Fischers Baby – diese zu veröffentlichen, ist trotzdem nicht zulässig. In einem Urteil des Landgerichts Berlin heißt es dazu etwa:

„Nicht alles, wofür sich Menschen aus Langeweile, Neugierde und Sensationslust interessieren, rechtfertigt dessen visuelle Darstellung in der breiten Medienöffentlichkeit.“

Zum anderen stellt sich die Frage, wieso man nicht einen Einfluss auf den politischen Diskurs haben darf, ohne notwendigerweise seine Identität preisgeben zu müssen. Es geht hier ja nicht um gewählte Ämter oder offizielle Funktionen. Und daran anschließend: Warum genau benötigt es zur „kritischen Prüfung“ eines Künstlers die Kenntnis seiner bürgerlichen Identität?

Nicht zuletzt: Eine „Rechenschaftspflicht“ Banksys besteht vielleicht gegenüber den Behörden, weil Graffiti nun mal meist illegal ist. Aber da er aufgrund seines Status als britisches Popkulturheiligtum hier eher wenig zu befürchten hat, bleibt auch das aus meiner Sicht eher heiße Luft. Andere strafrechtlich relevante Taten, die eine Veröffentlichung rechtfertigen könnten, sind jedenfalls nicht bekannt.

Im vergangenen Jahr wurden ähnliche Fragen auch in Deutschland diskutiert. Anlass war ein Beitrag des „ZDF Magazin Royale“ über rechte YouTuber. Moderator Jan Böhmermann hatte sich darin auch mit dem Account „Clownswelt“ befasst, den mutmaßlichen Vornamen des Betreibers genannt und weitere Hinweise gegeben, die anschließend schnell zur vollständigen Enttarnung des YouTubers führten. Böhmermann rechtfertigte dies damit, dass „Clownswelt“ einer der „wichtigsten rechtsextremen Internetpropagandisten“ sei. Im „Mainstream“ gebe es kein Recht auf Anonymität.

Übermedien-Autor Mats Schönauer hat damals in einem Video auf seinem Kanal „Topfvollgold“ dieses Vorgehen kritisiert. Auch für ihn sind nicht die Reichweite oder die Prominenz des Kanals entscheidend, sondern die Inhalte. Also, ob dort beispielsweise Volksverhetzungen, Verleumdungen oder andere strafrechtlich relevante Inhalte verbreitet würden. Aber selbst dann, sagt Schönauer, wäre es nicht die Aufgabe von Medien, die Identität zu veröffentlichen, sondern die strafrechtlich relevanten Aspekte herauszuarbeiten.

Schönauer zitiert dazu auch einen Leitsatz des deutschen Medienrechts:

„Braucht die Öffentlichkeit diese Informationen, um sich auf vernünftige Weise eine Meinung bilden und Entscheidungen treffen zu können? Und ist dieses Interesse so überragend, dass der Schutz der Privatsphäre zurücktreten muss?“

Im Fall Banksy geben sich die Antworten darauf aus meiner Sicht von selbst.

Nun erlaubt das Verhältnis von Presserecht und Persönlichkeitsrecht in UK und den USA den Medien deutlich mehr als hierzulande. Und dennoch bleibt die Reuters-Story für mich ein Paradebeispiel für jenen selbstverliebten journalistischen Aufdeckergestus, hinter dem sich doch bloß die Gier nach Klicks und einer aufmerksamkeitsstarken Story verbirgt. Das ernüchternde Fazit: Niemandem hat diese aufwendige Recherche wirklich etwas gebracht – außer der Eitelkeit der Journalisten.

(c) Alexander Graf

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Das Witzigste an The Final Reckoning?
Wenn man seine Wertung bei Letterboxd abgibt, wie ich gerade eben. :grinning_face_with_smiling_eyes:

Furchtbar verlaberter Film, obwohl die Handlung sehr einfach gestrickt ist. Kaum und uninteressante Actionszenen, beste Szene war noch die mit dem U-Boot, in der Luft mit den beiden Fliegern boring af.
Schneide eine Stunde raus und der Film wäre eventuell eine 3 von 5 geworden.
Hier ist alles so ernst vorgetragen und doch meistens fast lächerlich umgesetzt. Vieles doppelt vorhersehbar, bedingt durch den Plot mit der Entität.

A House of Dynamite habe ich leider noch nicht gesehen, stelle mir aber vor, dass jede Szene mit der Präsidentin in MI8 eine Parodie auf Bigelows Film ist.

Und bezüglich seltsamer Filmtitel: Nach Dead Reckoning Part One kommt logischerweise The Final Reckoning

https://www.imdb.com/title/tt0208092/

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Nachdem ich kürzlich im Übermedien-Newsletter davon las und gestern es zufällig im TV gesehen habe. Schaute ich mir die ersten beiden Folgen der zweiten Staffel an.

Liebe Übonnentin, lieber Übonnent,

seit ungefähr einem Jahr pflege ich eine innige Hassliebe zur ARD-Dokuserie „In höchster Not“. Die Reihe, deren zweite Staffel Anfang Mai startete, begleitet die Retter der Bergwacht Bayern bei ihren dramatischen Einsätzen vor der spektakulären Kulisse aus Zugspitze, Watzmann und Hochkalter. Teilweise filmt das ein Kamerateam, teilweise nur die Go-Pro-Kameras auf den Helmen der Einsatzkräfte. Der Zuschauer ist so besonders nah dran, wird vom Geschehen mitgerissen und entwickelt einen ehrfürchtigen Respekt vor der Arbeit und dem Können der Bergwachtler.

„In höchster Not“ ist ein riesiger Erfolg, fast sieben Millionen Menschen haben die erste Staffel laut ARD in der Mediathek gestreamt. Das ist keine Überraschung, ähnelt die Serie mit ihrem Konzept doch anderen sehr beliebten ARD-Formaten. Etwa „Feuer & Flamme“, das die Arbeit von Feuerwehrleuten zeigt, oder die Polizei-Serie „Nachtstreife“. Alle diese Dokus eint neben dem Einsatz von Kameras am Körper der Einsatzkräfte, dass sie auf Kommentare aus dem Off verzichten und nur die Akteure selbst ihre Einsätze einordnen. Das schafft einerseits eine große Nähe zwischen Publikum und Protagonisten, andererseits liegt die Deutungshoheit eben ausschließlich bei Letzteren.

Bei der ehrenamtlichen Bergwacht und den Berufsfeuerwehren mag das eine rein formale Kritik sein, bei der Polizei sieht das schon anders aus. Hier geht es schließlich um einen Teil der Exekutive, die Medien eigentlich kritisch kontrollieren sollten. Was vom Sender als „exklusiver und unverfälschter Einblick“ angepriesen wird, läuft schnell Gefahr, zu öffentlich-rechtlicher PR zu werden – gerade wenn es um Themen wie Polizeigewalt oder Rassismus geht.

„In höchster Not“ wiederum ist zunächst einmal fantastisches Fernsehen, das mit tollen Bildern der Bergwelt, wunderbar bodenständigen Protagonisten und nervenkitzliger Spannung überzeugt. Weil alpiner Bergsport selbst zu meinen Hobbys gehört, und ich an vielen der Schauplätze schon unterwegs war, ist die Serie daher Pflicht für mich.


Franz Dörfler, Bergretter der Bergwacht Grainau, in der Nähe des Zugspitzgipfels. Foto: BR/Timeline Productions

Und trotzdem – oder gerade deshalb – kann ich kaum eine Folge „In höchster Not“ am Stück anschauen, ohne hektisch auf die Pausentaste zu hauen und meinen Kopf frustriert ins Sofakissen zu schlagen. Denn die Serie ist aus meiner Sicht mitunter ein Dokument schwer auszuhaltender Selbstüberschätzung.

Das mag hart klingen. Aber es ist nun mal so: Viele der in den Episoden geretteten Menschen hatten am Schauplatz ihres Unglücks objektiv nichts verloren. Es sind Menschen, die offensichtlich überhaupt nicht wussten, was sie da eigentlich tun, welche Fähigkeiten sie für ihre Bergtour benötigen oder welche Risiken dort auf sie warten.

Sicher, auch erfahrene Alpinisten sind auf die Bergwacht angewiesen oder verunglücken auf ihren Touren. Aber es ist ein Unterschied, ob ich bei einer schwierigen Klettertour, die ich vorab wochenlang studiert habe und deren Schwierigkeitsgrad ich in Bezug auf meine Fähigkeiten genau einschätzen kann, zufällig von einem Steinschlag getroffen werde. Oder ob ich einfach mal in Sneakers, Hemd und Jeans auf einen rund 2700 Meter hohen Berg hochlatsche und dann irgendwann merke, dass es vielleicht doch keine gute Idee war. Gibt ja zum Glück die Bergwacht, die mich bequem wieder runterfliegt.

Leider gibt es in der Serie einige dieser Fälle, es ist dann zum Haare raufen. Gleich zu Beginn der neuen Staffel gibt es ein Paradebeispiel zu bestaunen. Die Retter werden dabei zum Höllentalferner gerufen. Der Gletscher ist Teil der Höllentalroute, der schwierigsten „Normalroute“ auf die Zugspitze. An seinem Ende wartet ein längerer, kräftezehrender Klettersteig, bevor der Gipfel erreicht ist. Insgesamt gilt es, rund 2200 Höhenmeter in anspruchsvollem Gelände an einem Tag zu absolvieren.

Die Bergwachtler treffen dort nun auf mehrere Männer. Und alles, was man dann erfährt, ist alpinistisches Harakiri. Die einen sind erst um 8 Uhr losmarschiert und hätten damit die letzte Talfahrt der Zugspitzbahn wohl verpasst. Andere haben keine richtigen Steigeisen dabei, obwohl der eisige Gletscher bis zu 40 Grad steil ist. Sie sind kurz davor, bei einem aufziehenden Gewitter in einen exponierten Steig voller Stahlseile einzusteigen. Und zur Krönung fragen sie die Retter bei deren Ankunft: „Realistische Einschätzung, wie lang ist es denn noch bis oben?“

Nicht gerade hilfreich für meinen Frust ist da, dass die Einsatzkräfte das Ganze anschließend in den Interviews meistens mit geradezu stoischem Gleichmut kommentieren. Jeder mache schließlich mal Fehler. Man sei da, um zu retten, nicht um zu bewerten.

Das ist einerseits eine bewundernswerte Einstellung – von Leuten, die es hundertmal besser wissen als ich. Und ja, die Freiheit, sich selbst in Gefahr zu bringen, gehört eben auch zum Menschsein dazu. Andererseits wünsche ich mir insgeheim doch, die Retter würden den völlig Ahnungslosen unter den „Patienten“ öfter verdeutlichen, dass es sich dabei eben nicht um einen Fehler handelt, den man halt mal so macht. Sondern, dass sie mit ihrer Realitätsverweigerung auch andere in Gefahr bringen können – beispielsweise die Einsatzkräfte selbst. Immerhin: Die ersten Folgen der neuen Staffel lassen hoffen, dass meine stillen Wünsche zumindest ansatzweise erhört wurden.

Denn das Problem ist ja: Diese „Fehler“ nehmen zu. Bergwachten im ganzen Alpenraum berichten von steigenden Einsatzzahlen. Das hat natürlich auch mit generell steigenden Zahlen im Alpintourismus zu tun. Aber es ändert sich auch die Art der Einsätze. Ein Bergwachtler sagt dazu in einem „Spiegel“-Interview:

„Was wir beobachten, ist eine Zunahme von blockierten Personen, auch wohl im gesamten Alpenraum: Bei uns im Chiemgau und in den Berchtesgadener Alpen etwa 15 bis 20 Prozent der Einsätze, in der Schweiz sollen es teilweise bis zu 30 Prozent sein. Das sind Personen, die unverletzt oder nicht akut erkrankt sind, aber nicht mehr vor- oder zurückkommen. Sie haben sich im steilen Gelände verstiegen, sind bis zum Anschlag weitergelaufen und können nicht rechtzeitig umkehren oder sind im Klettersteig überfordert. Provokant formuliert: Die Hilflosigkeit am Berg nimmt zu.“

Hier wird schließlich aus meiner „Menschenkritik“ eine Medienkritik. Denn Menschen haben sich natürlich schon immer überschätzt und leichtsinnig Abenteuer am Berg gesucht. Aber die Funktionsweise von sozialen Medien, die starke Präsenz von Berg-Influencern auf Instagram, YouTube oder TikTok, wirkt wie ein Turbo-Katalysator für dieses Phänomen. Gerade junge Menschen, die vielleicht fit sind, aber keinerlei Erfahrung haben, lassen sich von den Videos in die Berge treiben. Und nicht immer kann die Bergwacht ihnen noch helfen.

Das führt zu meinem einzigen wirklichen Kritikpunkt an den Machern von „In höchster Not“: Trotz aller Dramatik und Spannung verharmlost die Serie aus meiner Sicht in vielen Episoden die tatsächlichen Risiken alpiner Gefahren. Jedes Jahr sterben mehrere Hundert Menschen in den Alpen, die italienische Bergwacht verzeichnete im vergangenen Jahr in der Hochsaison allein in einem Monat 83 tödliche Unfälle. Davon bekommt man in der Serie aber kaum etwas mit, stattdessen gehen viele Einsätze relativ glimpflich aus. Beim Aussteigen aus dem Heli noch mal kurz schütteln und dann sitzen die Patienten auch schon wieder mit einer Cola vor dem Bergwachthaus im Tal.


Ein Einsatz der Bergwacht am Höllentalferner. Foto: BR/Timeline Productions

Es gibt natürlich gute Gründe, in so einem Format keine gravierenden oder gar tödlichen Unglücke zu zeigen: Respekt vor den Opfern, das Persönlichkeitsrecht der Betroffenen, das journalistische Gebot, nicht leichtfertig den Voyeurismus der Zuschauer zu bedienen. Zumal die Patienten anschließend zustimmen müssen, ob ihre Rettung in der Serie gezeigt werden darf. Eine Ausnahme stellt daher die am Mittwoch erschienene dritte Folge der zweiten Staffel dar. Hier gerät ein Bergsteiger am Höllentalferner in eine lebensbedrohliche Situation.

Man könnte solche Fälle aus meiner Sicht in den Interviews aber öfter thematisieren, nach Zahlen fragen oder vielleicht auch die Gespräche der Retter nach so einem Einsatz zeigen. Doch bis auf ein paar kernige Sätze („Das kann auch mal tödlich enden“, „Der Berg verzeiht keine Fehler“) bleibt der Tod besonders in der ersten Staffel eine Leerstelle. So verstärkt „In höchster Not“ ironischerweise oft die fatale Annahme, dass einen die Bergwacht da im Zweifel schon rausholt.

Das betrifft auch den Umgang der Retter selbst mit dem Thema. Schließlich handelt es sich um Ehrenamtliche, die regelmäßig mit tödlichen Schicksalen konfrontiert sind. Die Menschen ins Tal begleiten müssen, die gerade ihren Partner, Vater oder Sohn in den Tod haben stürzen sehen. Wie belastend diese Tätigkeit abseits des Einsatzes wirklich ist, wie sie damit umgehen, welche professionellen Hilfsangebote es gibt – all das bleibt bei „In höchster Not“ weitgehend unklar.

Das mag auch mit den Persönlichkeiten der Protagonisten zu tun haben, die zum einen sehr resilient wirken, zum anderen vielleicht auch nicht so gerne öffentlich über ihre Gefühle reden möchten. In einem „Zeit“-Interview klingt allerdings durch, dass sich das Ganze nicht nur in ein wenig kurzfristigem Adrenalin und anschließendem Schulterklopfen erschöpft. Dort sagt ein Bergretter aus der Serie über einen besonders eindrücklichen Einsatz, bei dem ein junger Mann am Berg erfror:

„Das war ein super intensiver Einsatz über eine ganze Woche, mit einer immens hohen Schlagzahl und keinem Moment Pause, um das zu verarbeiten. Das hat mich danach einige Monate beschäftigt, und es hat viele Gespräche gebraucht. Weil es mich einfach nicht losgelassen hat.“

Eine Aussage, die eindrücklicher wirkt als vieles, was man in den spannungsgeladenen Folgen von „In höchster Not“ zu hören bekommt.

(c) Alexander Graf

Diese Miniserie sei wohl ganz interessant:

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Habs gestern fertig geschaut. War sehr spannend.

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Okay … lade es gerade herunter und schaue es mir dann doch auch mal an. :melting_face:

Falls jemand Challengers anschauen möchte: MediathekViewWeb

Edit:
Und noch was …

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