Vorweggeschickt: Meine digitale Filmbibliothek auf Kodi speist sich aus DVDs und Blu-rays, da mir das Streaming-Dienst-Disaster zu anstrengend ist. Von daher sehe ich durchaus den Vorteil der Zugänglichkeit durch Datenträger.
Da ich keine Konsolen mehr habe und Retro-Games über Emulation Station laufen, sind physische Medien beim Spielen für mich aber schon lange kein Thema mehr. Am PC und Steam Deck spiele ich seit Jahren nur über Steam und gelegentlich andere Plattformen. Ich mag den digitalen Komfort, reibe mich aber durchaus hin und wieder an dem Gedanken, dass im Grunde von einem Moment auf den anderen alles weg sein könnte. In der Gesamtheit mag das eher unwahrscheinlich sein. Im Einzelfall aber geschätzte Inhalte verlieren zu können, ist wenig berauschend.
Mit diesem Umstand habe ich mich mehr oder weniger arrangiert, weil es für mein Leben nicht entscheidend ist. Die Inhalte kulturell zu bewahren, halte ich aber für erstrebenswert.
Die Rückkehr oder Aufrechterhaltung physischer Spiele-Ausgaben ist meines Erachtens nicht die Lösung für das allgemeine digitale Dilemma. Auch mit einer Disc kann man von Servern, Aktivierungen, Patches oder Online-Zwängen abhängig sein. Wenn der Hersteller diese Infrastruktur abschaltet, hilft der Datenträger nur noch wenig bis gar nichts. Und das ist der entscheidende Unterschied zu Film- oder Musik-Discs.
Dass Spiele aus dem Verkauf verschwinden, ist das eine. Man kann niemanden zwingen, etwas für immer und ewig anzubieten. Hier können physische Medien zumindest legal den Zugriff auf das Spiel ermöglichen. Ob es dann ohne die Server läuft, ist allerdings die nächste Frage.
Durch Abschaltung von Servern den Kunden ihre gekauften Spiele unbrauchbar zu machen, ohne eine alternative Zugriffsmöglichkeit zu schaffen, halte ich dagegen für regelungsbedürftig. Da es die Hersteller selbst offenbar nicht ausreichend kundenfreundlich regeln wollen und der Gesetzgeber sie gewähren lässt, ist es kein Wunder, dass wieder nach alternativen Quellen gesucht wird.
Deshalb hatte auch ich die EU-Initiative Stop Killing Games unterstützt. Ich hoffte, dass daraus zumindest eine Weichenstellung für faire End-of-Life-Regelungen entsteht, damit gekaufte Spiele nach Ende der kommerziellen Verwertung nicht einfach unspielbar gemacht werden dürfen. Nach gefühlt einem ausgiebigen Mittagessen der Kommission mit Ubisoft and Friends wurde die laute Stimme der rund 1,3 Millionen europäischen Unterzeichner allerdings elegant wegmoderiert: Industry > Customer.
Es gibt aber auch Befürworter und positive Gegenbeispiele aus der Industrie, etwa CD Project Red und GOG mit seinem Preservation Program. Das lässt zumindest hoffen, dass es Anbieter geben wird, die das Thema kundenfreundlicher handhaben wollen.
Bei Multiplayer-Spielen, die keine Spielerzahlen mehr haben und damit wirtschaftlich unattraktiv werden, mag eine Server-Abschaltung noch eher ein unausweichlicher, wenn auch unschöner Vorgang sein. Wirklich problematisch finde ich die völlig unnötigen Always-Online-Zwänge bei Singleplayer-Spielen. Hier sollte meines Erachtens am Ende ein Recht auf Offline-Betrieb her.
Ich bezweifle auch, dass solche dauerhaft weiter verfügbaren alten Spiele den Neuverkäufen aktueller Titel ernsthaft im Weg stünden. Das wäre sonst nach vielen Jahrzehnten Spielehistorie längst der Fall. Im Allgemeinen wollen die meisten Spieler doch vor allem die neuen Sachen spielen, weswegen ich die wirtschaftlichen Bedenken in diese Richtung nicht nachvollziehen kann.
Daneben gibt es noch die lizenzbedingten Fälle. Das genannte Spec Ops: The Line wurde wegen ausgelaufener Lizenzen aus den Stores entfernt, vermutlich spielten dabei auch Musikrechte eine Rolle. Als weiteres bedauernswertes Beispiel kann das wunderbare Star Trek: Resurgence dienen. Dessen Vertriebslizenz lief nach kurzer Marktpräsenz aus, wodurch das Spiel nicht mehr regulär neu erhältlich ist. Zum Glück hatte ich es noch gekauft.
Dass es solche Rechteketten und Lizenzlaufzeiten gibt, wird man wohl leider hinnehmen müssen. Aber auch hier wären bessere geschäftliche Lösungen möglich, wenn Egos und Gier nicht im Weg stünden.
Die Verfügbarkeit physischer Medien für einen Gebrauchtmarkt betrifft heute meines Erachtens hauptsächlich Konsolen. Denn wozu sollte ich auf dem PC den Gebrauchtkauf eines Datenträgers erwägen, wenn die Blockbuster im Steam Sale früher oder später für weniger als einen Fünfer hergehen? Mit Datenträger mag man das Spiel dauerhaft im Zugriff haben, also zumindest solange der Datenträger unversehrt bleibt. Die praktische Nutzbarkeit ist bei fehlenden Servern aber trotzdem nicht sichergestellt.
Wie verhindert man, dass gekaufte Spiele durch abgeschaltete Online-Zwänge unspielbar werden? Wie geht man mit Lizenzspielen, Musikrechten und Markenrechten um, wenn entsprechende Verträge auslaufen? Diese Fragen sind nicht neu. Antworten im Sinne der Kunden gibt es darauf bisher kaum.
In dem ganzen Getümmel wird die stärkste Waffe nicht gerne gehört: Verzicht. Wenn Publisher sich kundenfeindlich verhalten, kann man das sanktionieren, indem man dort nicht kauft. In unserer Komfortkultur, in der ständige Verfügbarkeit fast schon als Naturgesetz gilt, und in einem Markt, der auf Gewohnheit und ständigen Nachschub setzt, will man diese Option nur ungern als Möglichkeit begreifen.