Am Rande der Verzweiflung - Ein Thread zum Kopfschütteln und wütend werden

Liebe Forenteilnehmer*innen,

in diesem Thread möchte ich mit euch Nachrichten teilen, die mich zum Kopfschütteln bringen und wütend machen. Warum mache ich das? So ganz sicher bin ich mir auch (noch) nicht. Am Ende ist es eine Mischung aus Selbsthilfe und dem Versuch, Anstoß zu geteilter Empörung zu geben.

Ich möchte ausdrücklich den subjektiven Charakter hervorheben und kann natürlich auch jede*n verstehen, der/die nach einmaligem Anklicken nie wiederkommt, entweder, weil er/sie meine Wut nicht teilt, oder weil schlechte Nachrichten gerade nicht in die persönliche Lebenssituation passen. Gleichzeitig möchte ich alle ermuntern, die kommenden Nachrichten als Anstoß für ehrliche Empörung und Politisierung zu sehen.

Selbstverständlich steht es euch allen frei, euch mit weiteren Unfassbarkeiten aus dem In- und Umland anzuschließen. Frei nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Etwaige, sehr berechtigte Diskussionen auf Grund vollkommener Kontextlosigkeit sind natürlich auch wollkommen. Sollte sich diese Idee in naher Zukunft doch als hanebüchen herausstellen, werde ich den Thread wieder schließen.

Ich beginne mit folgender Nachricht:

Nach der Definition der europäischen Statistikbehörde Eurostat gelten Haushalte als durch Wohnkosten überbelastet, wenn sie mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für das Wohnen aufbringen müssen - auch nach Abzug möglicher Wohnzuschüsse wie Wohngeld.

Bei Studierenden mit eigener Haushaltsführung trifft das laut den Daten auf 65 Prozent zu. In der Gesamtbevölkerung sind es lediglich elf Prozent. Betrachtet man alle Studierenden - unabhängig davon, ob sie noch bei den Eltern wohnen oder mit anderen zusammenleben - gelten 28 Prozent als überbelastet.

Auch wenn ich noch nicht ganz einordnen kann, worauf sich deine Wut konkret richtet, wollte ich dich mit deinem Post hier nicht allein lassen und ein paar schlaue Worte dazu abgeben.

Gerhard Polts Bootsverleiher hatte dafür schon die konsequenteste Lösung:
„Ich wohne nicht mehr.“
Wohnen ist teuer, verursacht laufende Kosten und bringt allerlei Verpflichtungen mit sich. Am besten schafft man gleich das zugrunde liegende Bedürfnis ab. Problem gelöst.

Wohnen ist allerdings nicht erst seit heute einer der teuersten Späße des Lebens. Es wäre deshalb sinnvoll, nicht nur über die Kosten zu sprechen, sondern auch darüber, wie selbstverständlich inzwischen die Vorstellung geworden ist, jeder müsse allein und unabhängig wohnen können.

Auch wenn die Kosten zweifellos belasten, bleibt für mich die Frage, worin diese Belastung konkret besteht: Ist die grundlegende Versorgung gefährdet, wird die gesellschaftliche Teilhabe eingeschränkt oder bleibt vor allem weniger finanzieller Spielraum für andere Wünsche und Lebensbereiche?

Mich würde daher interessieren, worin für dich der Kern des Problems liegt: Geht es allgemein um zu hohe Mieten und Nebenkosten, um eine unzureichende staatliche Unterstützung von Studierenden oder um eine stärkere Regulierung des Wohnungsmarktes? Und was genau daran macht dich wütend?

3 „Gefällt mir“

etc…
Wofür stand die SPD noch einst?

Letztenendes haben wir, die bereits Ausbildung fertig und angestellt sind, die Verantwortung zu sagen, dass die Reformen kacke sind.

Wie ich vorsorge werde ich hier nicht ausbreiten.

Achso und was für mich auch unbegreiflich ist:
Egal wie unsympathisch dieser Mensch bislang war und diese Partei geworden ist nach Merkel - Der Umgang mit Spahn ist widerlich.
Er wird nicht damit gerechnet und seiner Partei eine menschliche-emotionale Grundintelliganz zugetraut haben. Das persönliche, intime Familienglück so zu torpedieren ist, menschlich, wirklich zweifelhaft. Ja mag gegen das national-konservative Empfinden sein, das sich bei der Partei entwickelt hat, aber trotzdem geht es ausserhalb des privaten niemanden was an., imo. Aber: Natürlich ist ein Fraktionsführer auch eine präsentive Figur und sollte er sich selbst an Medien gewendet haben, dann ist mein letzter Gedanke natürlich hin.

Nichts desto trotz: widerlich!

Die Union zeigt aktuell ihre ganz besonders hässliche Fratze. Während Korruption, Selbstbereicherung, Vorteilsnahme und Klientelwirtschaft zum guten Ton gehören, werden pseudo-moralische Grundideen zum Stolperstein. Die selben Krähen die einerseits die tiefen Abgründe der Parteinlandschaft gedeckt haben, werden nun zur Schar der Leichenfledderer, weil ein traditionalistische Grundidee nicht ihre Erfüllung erhält.
Es ist abstoßtend und in gutem historischen Gedenken an die Amigo-Partei vor der Jahrtausendwende. Man möchte meinen das Politik in all den Jahren menschlicher geworden ist. Aber am Ende ist und bleibt es ein Auffangbecken für amoralische Charaktere, Zurückgefallene aus der WIrtschaft und nicht zuletzt machtgeile Männer. Es ist wirklich abenteuerlich, dass wir diese Posse in 2026 erleben, wo wir doch dachten, dass der Gipfel des Fremdschämens unter Franz-Josef-Strauß erreicht war…

@Lipardus Ich hab es doch richtig verstanden, dass man hier einfach mal raushaut, oder? Falls das so nicht gemeint war, dann sorry :slight_smile:

1 „Gefällt mir“

Genau so sei es. Zu den anderen Gedanken äußere ich mich die Tage mal :wink:

Ich werde wütend mit Blick darauf, was sich im September in Sachsen-Anhalt abzeichnet. Sollte dort wirklich eine rechtsextreme Partei an die Regierung kommen, wird das mehr als nur ein kleines Beben auslösen. Ich verstehe einfach nicht, wie man eine solche Partei wählen kann, egal wie schlecht sich die anderen Parteien aktuell präsentieren. Dann wählt halt Volt oder „die Partei“! Das Erwachen wird böse…

Stimmt natürlich. Gleichzeitig weiß ich tatsächlich nicht immer auf wen oder ich da konkret wütende sein soll. Gerade das Thema Wohnen erscheint mir ein strukturelles Problem, da gibt es nicht den einen Schuldigen auf den man entspannt mit dem Finger zeigen könnte. Deswegen finde ich es auch schwer den Kern des Problems zu definieren. Ersteinmal denke ich mir nur: Da ist grundsätzlich etwas aus den Fugen geraten. Ich finden den Umstand, dass gerade junge Menschen so einen großen Anteil ihres Einkommens ausgeben nur damit sie einen Ort zum Leben zu haben irgendwie beschämend. Das ist ja leider - wie sich auch in anderen Bereichen zeigt - eine Gruppe in der Gesellschaft, die gar keine wirkliche Lobby hat und die in den letzten Jahren eh ziemlich gebeutelt wurde. Und dann komme ich schon auch zur politische Ebene und frage mich warum dieses Problem irgendwie seit Jahren ignorierd oder kleingeredet wird.

Und dann bekomme ich regelmäßig YT-Werbung vom Investment Punk, wie er mir was von seinen 200 Wohneinheiten erzählt und ich werde noch wütender…

Hier muss ich tatsächlich sagen, dass bei mir nur Verwunderung übrig geblieben ist, nicht über die Reaktionen aus der Union, sondern eher Spahns Erwartungshaltung, dass er damit tatsächlich durchkommen hätte können. Er wird doch vorher mal überlegt haben, was so eine Entscheidung für seine politische Karriere bedeutet bzw. in was für einer Partei es so ist, oder nicht?

Absolut.
Am Ende wird es die persönliche Frage gewesen sein. Das persönliche Glück gegen einen Betrieb den er lange kannte und wo er alles erreicht hat. Danach ist lange nicht Ende, siehe andere Ex-Politiker. Von einem Aufschrei seinerseits habe ich auch noch nichts gelesen, lasse mich aber gerne belehren?

Als Mensch in einer politischen Gruppe musst du eben auch Positionen vertreten, die nicht mit deinen übereinstimmen. Das ist auch meine Erfahrung und nun mal der Deal, wenn du politisch was ändern willst.
Und: Gott sei dank ist das noch möglich in unserer Demokratie.

Und das Drama mit ihm ist mir auch vollkommen egal.
Debatte über Leihmutterschaft ist angestoßen. Eins der wenigen Male, wo ich ihm dankbar bin.

1 „Gefällt mir“

Ist es gar nicht. Dass es ein vorgeschobener Grund ist, ja. Aber der hätte auch generell so die Partei in Probleme gebracht und lieber ist er halt jetzt hoffentlich weg. Mit den Entscheidungen die er Mitgetragen und sogar geleitet (!) hat und dann sowas macht hat er jetzt nicht viel Mitgefühl verdient. Ihm war es ja anderen auch egal und er hat auch sicher keinen Sinneswandel erlitten, sonst hätte er es nicht beim Parteitag im Februar mitgetragen.
Leihmutterschaft ist in prinzpiell moralisch höchst Problematisch und sollte aus menschlicher Sicht gar nicht erst erlaubt sein. Die Lösung in Deutschland, dass die Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist, aber man ins Ausland gehen kann ist nur dumm und sorgt dafür, dass es den besonders Priviligierten egal ist. Entweder man legalisiert es, was moralisch kacke aber irgendwie auch realistisch ist, oder man verbietet es prinzipiell und ist wenigstens Konsequent in der Haltung.

3 „Gefällt mir“

Wie ist die menschliche Sicht? Aus welcher Perspektive?

Ich kann deine Argumentation verstehen, bleibe aber dabei, dass er als Führender einer konservativ-rechten Partei eben deren Werte zu vertreten hat.
Die ganze Chose zeigt eher, wie sehr Menschen in der Partei anders „sind“, als das was man in Medien raushaut.

Das ist der ja genau der Punkt. Er ist Vertreter dieser Werte und hat sie immer wieder verteidigt, zuletzt im Februar als das Kind schon auf dem Weg war. Er hätte die Debatte anstoßen können, oder sich davon distanzieren können. Hat er nicht.

Ist er eben nicht. Anscheined war er fest davon überzeugt damit durch zu kommen. Spahn ist so wie er es schon immer wahr. Es ist ja nicht mal jemand darüber überrascht gewesen wie er sich verhält und bevor die Beschwerden kamen haben die anderen Partei Granden ja ihre Glückwünsche ausgesprochen ohne den Elefanten im Raum anzusprechen.

Und welche anderen Werte vertritt er denn privat? Dass alles egal ist, wenn man Geld hat?

1 „Gefällt mir“

Das kann Welt natürlich nicht sagen und ist auch völlig egal. Ebenso was hätte-hätte-Fahrradkette.

Bei den Granden die ihre Glückwünsche ausgesprochen haben, bin ich natürlich bei dir. Und überdies dass ich noch kein Wort darüber von Spahn selbst gelesen habe.
Davon ab bleibe ich bei meinen Ansichten.

Doch. Und was er bis jetzt dazu gesagt hat, hat er nicht Mal einen Meinungswechsel zugegeben.

Und am Ende ändert es ja auch nichts, dass bezahlte Leihmutterschaft einfach Ausbeutung ist und so schon zeigt was für eine Schlag Person er ist.