DIese Folge fand ich ganz besonders toll, was natürlich auch mit dem wunderbaren Interview mit @anon81557647 zu tun hat. Dies liegt vor allem daran, da ich ganz persönlich ihre Ausführungen über den Lokal Journalismus bestätigen kann, weshalb ich jetzt auch ein bisschen anekdotisch werde…
Ich habe 7 Jahre insgesamt als freier Journalist gearbeitet und mir mein Studium mit finanziert. Warum „mit“ finanziert? Weil die Kohle schon damals völlig unterbezahlt war. Mindestlohn? Am Arsch.
15 Cent pro Zeile und eine Pauschale für ein Bild (Aufmacher damals max. 35 EUR). Mit dem Kilometergeld (30 Cent/km) kam man an einem Wochenende Fussballplatz und Redaktion so auf ungefähr 100 EUR (abzgl Sprit Geld) für 10 Stunden Arbeit (inklusive Fahrzeit). Aber wegen dem Geld habe ich es damals nur zweitranging gemacht. Ich mochte die Lokalpresse und im Jahr 2000 waren die Auflagen auch noch stark. Außerdem wollte ich eigentlich auch in Richtung Journalismus gehen, ggf. Fachjournalismus.
Die Zeit zeigte mir dann aber, dass dieser Wunsch auch ein bisschen Märchen ist. Herzblut steht kataastrophaler Bezahlung gegenüber. Jugendliche Begeisterung trifft im Konflikt auf alte Redaktions Strukturen. Am Ende hat mir dann die Leidenschaft gefehlt, die Lea offensichtlich noch hat und die man heute wahrscheinlich noch mehr braucht, als damals. Insgesamt denke ich gerne an die Zeit zurück. Ich hatte einige ganz wunderbaren Kolleg/innen, aber naütlich auch ganz furchtbare. Texte wurde gekürzt und gecancelt, Bilder verkleinert um Werbung zu drucken und es war oft enormer Stress innerhalb von wenigen Stunden nach Spielschluss den Artikel bis Redaktionsschluss auf den Monitor zu zaubern.
Eine Kleinigkeit habe ich jedoch anders erlebt. Die Freiheit in der Sprache und der Ausführung war bei uns sehr groß. Überschriften durften… ja sollten ein bisschen Augenzwinkern haben. Das war ein Stückweit der Stil des Lokalsports. Das hat mir sehr gut gefallen und ich habe es gerne genutzt. Als Beispiel habe ich einen Artikel, den ich mir mit nach Hause genommen habe einmal angehangen. Dieser stand mit genau dieser Überschrift so bei uns in der Zeitung.
Also @anon81557647: Danke, dass du die Eselkacke geteilt hast. Schön, dass du den Enthusiasmus nicht (so wie ich) verloren hast und hoffentlich noch eine traumhafte Karriere im Journalismus. Du scheinst die richtige EInstellung, gerade im punkto Kritik zu haben. Ich konnte das seinerzeit nicht so gut… und gerade von den Fussballern, gab es viel Kritik.
