Metaebene #2 Umfrage

Ich glaube, das ist wirklich so ein Kultur-Dingens. In Deutschland ist es unschicklich, Dinge nur zu tun, weil sie Spaß machen. Immer wieder lesen wir, dass wir durch Computerspiele irgendwas lernen können, dass es uns irgendwas „bringt“, und noch öfter lesen wir in kulturpessimistischer Panik, was es eben alles nicht bringt, welche Fähigkeiten wir verlieren. Da muss man schon froh sein, dass „Gaming“ insgesamt nicht mehr automatisch Reflexdiskussionen um „Killerspiele“ aktiviert. Und auch die immer wieder erstaunte Feststellung, dass Computerspiele ja ein unglaublich riesiger Markt geworden sind, führen eher weniger dazu, dass man sich mal wirklich grundsätzlich damit auseinandersetzt, wer eigentlich wann diese ganzen Spiele spielt. Stattdessen sind Games in Deutschland so was wie Klopapier: nutzt man täglich, aber man redet nicht beim Mittagessen mit den KollegInnen darüber. (Edit: Kommt natürlich auf die KollegInnen an. Ich erinnere mich aber an eine Chefin, bei der ich jede Wette eingehe, dass man sich mit ihr besser über Klopapier hätte unterhalten können als Computerspiele)
Und wenn schon Spaß, dann aber bitte mit „Anspruch“. Ich selber habe ja durchaus Ansprüche an gute Spiele, aber die Messlatte des bürgerlichen Deutschtums in Bezug auf die Frage, was kulturell akzeptabel ist, liegt traditionell in absurd arbiträren Höhen.
Das kennen wir vom Comic, der ganz anders als bei unseren Freunden in Belgien und Frankreich, Jahrzehnte lang verpönt war, bis man in Deutschland in den neunzigern den Marketing-Dreh der „Graphic Novel“ gefunden hat, also Reclamhefte mit Sprechblasen, die man endlich mit Hilfe von betont depressiv gestalteten Panels und seitenweise dramatischen Totalportraits von gendankenzerfurchten Protagonistengesichtern mit tiefen intellektuellen Monologen als Kultur verkaufen konnte.
Mir ist dieses elitäre Kulturdenken in den letzten Jahren immer wieder im Museumsbereich begegnet. Hier geht es nicht um eine Auseinandersetzung mit Computerspielen (aber auch gelegentlich) sondern um einen harten Konflikt mit Menschen, die sich letztlich immer wieder dagegen sperren, dass Museumsbesuche „Spaß“ machen dürfen, wo doch „Bildung“ vermittelt werden soll. Vor allem wird „Spaß“ aber auch als Gefahr für „Würde“ und „Glaubhaftigkeit“ empfunden. Es gibt sie schon noch öfter als man denkt, diese Vorstellung, dass man in respektvoller Stille durch Hallen der Erkenntnis wandelt und Freude allein aus der Mehrung des eigenen Intellekts zieht.
Das alles war und ist nicht nur, aber auch, ein Generationenproblem. Deutschland tut sich halt schwer mit kulturellem Wandel, aber irgendwann war es eben auch erlaubt Comics zu lesen, Museen kommen an neuen Mitmachkonzepten und besucherorientierten (pfui!) Konzepten nicht mehr vorbei und vielleicht kriegen wir sogar irgendwann mal alle anständiges Internet (nein, zum tausendsten Mal, es geht nicht wieder weg).
Nur die Frage nach Gamingberichterstattung in den Feuilletons, die würde ich mal offen lassen. Denn ich habe ein bisschen die kulturpessimistische Befürchtung, dass der klassische Zeitungsfeuilleton verschwindet, bevor die Computerspiele dort als alltägliches Thema angekommen sind. Wobei, ist das eigentlich ein Pessimismus…?

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